Die Tontechnik Unter den Linden

15.05.2018

In der Staatsoper hat man bei der Renovierung den Nachhall verlängert und auch sonst in Sachen Medien- und Tontechnik keine halben Sachen gemacht. Ein Fall für Peutz Consult, ASC, Salzbrenner, d&b Audio, Meyer Sound, Shure ...

 

2009 wurden die Stuttgarter Architeken von hg merz von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung beauftragt, die Staatsoper Unter den Linden einer Generalsanierung und Erweiterung zu unterziehen.

Diese Maßnahme beinhaltete unter anderem auch die akustische Nachbesserung des Raumes und die Modernisierung der AV Medientechnik. Der Auftrag für die Raum- und Gebäudeakustik sowie die Planung für die audiovisuelle Ausstattung ging an Peutz Consult Berlin.

 

Die Staatsoper unter den Linden in Berlin

Frisch saniert, auch akustisch: Die Staatsoper unter den Linden in Berlin.

 

Aufgrund der komplexen Anforderungen wurde die Erneuerung der Medientechnik in der Staatsoper Berlin in einer Arbeitsgemeinschaft zwischen Amptown System Company (ASC) und Salzbrenner Media umgesetzt.

In dieser ARGE war ASC für die Video- und Beschallungssysteme, die IT-Netze sowie als ARGE-Führer auch für das Projektmanagement verantwortlich. Salzbrenner Media verantwortete die Inspiziententechnik, die Audio-Mischpulte und die Signalverteilung.

Zum Jahrestag der deutschen Einheit wurde die Staatsoper Berlin am 3. Oktober 2017 feierlich wiedereröffnet und konnte im Dezember letzten Jahres ihren regulären Spielbetrieb wiederaufnehmen.

Die generelle Anforderung des Auftraggebers bestand in einer Generalinstandsetzung, dem Umbau des Zuschauersaals sowie in der Renovierung und Erweiterung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes.

Ein wichtiger Punkt im Sanierungskonzept war der Neubau der Bühnentechnik und die Erneuerung der AV Medien- und Inspiziententechnik auf internationalem Niveau. Der Zuschauersaal sollte weitestgehend originalgetreu erhalten bleiben, die Akustik deutlich hörbar optimiert und demzufolge auch die Nachhallzeit verlängert werden. Für die Zuschauer wurde zeitgemäßer Komfort angestrebt, die Sichtverhältnisse auf den Rängen signifikant zu verbessern und die Abläufe der Besucherströme zu optimieren.

 

Die Technik in der Staatsoper (Foto: Gordon Welters)

Diskret unter der Kuppel: die Technik (Foto: Gordon Welters)

 

Mehr Hall durch mehr Höhe


Für die Verbesserung der Akustik als eines der Hauptziele der Sanierung hat hg merz die historische Kuppelsaaldecke um 4,50 Meter anheben lassen
, so dass das Saalvolumen um 40 Prozent des Gesamtvolumens erhöht wurde. Durch die Anhebung ist oberhalb der Ränge eine nachhallende Galerie entstanden.

Um diese Lücke visuell zu schließen, haben die Architekten ein optisch geschlossenes, aber akustisch transparentes Netzwerk entwickelt. Das schalldurchlässige Netzmuster der Verkleidung harmoniert stilistisch mit den historischen Schmuckelementen des barocken Saales.

Mit der neuen "Nachhallgalerie" unter der Decke und dem größeren Volumen hat sich die ursprüngliche Nachhallzeit von 1,1 Sekunden auf die von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim gewünschten 1,6 Sekunden verlängert.

 

Blick von der Bühne der Staatsoper (Foto: Gordon Welters)

Blick von der Bühne der Staatsoper (Foto: Gordon Welters).

 

Die Beschallung


Das Beschallungskonzept in der Lindenoper besteht aus Lautsprechern von d&b audiotechnik,
angesteuert von systemspezifischen Endstufen mit integriertem DSP-Controller sowie 40 MM-10-XP- und 120 MM-4 Miniature Wide-Range-Lautsprechern von Meyer Sound in der passiven Version. ASC hat Meyer Sound UPAs ergänzt, die flexibel auf Stativ mobil eingesetzt unterschiedliche zusätzliche Beschallungsszenarien ermöglichen.

Fast unsichtbar haben die Techniker 40 d&b E12 2-Weg-Hochleistungslautsprecher in die Beleuchterzüge der Saaldecke, der Portalbrücke und in die Nachhallgalerie integriert. In den Portalen hinter der bemalten schalltransparenten Stoffabdeckung befinden sich pro Seite vier d&b Yi10P-Installationslautsprecher und zwei E8-Lautsprecher.

Der Centercluster wurde mit sechs d&b T10-Lautsprechern realisiert. Über dem Proszenium, dem vordersten Bereich der Opernbühne, sorgen zwölf d&b T-SUBs für den entsprechenden Bass im Saal. Für Einspielungen aus der Tiefe der Hinterbühne hat ASC jeweils rechts und links eine druckvolle Vi7p mit zwei V-SUBs installiert.

 

"Für besondere szenische Effekte haben wir eine 3D-Audioanlage von Astro Spatial Audio eingebaut, die über zwei 'SARA II Premium Rendering Engines' betrieben wird", erklärt Christoph Wegner, Projektleiter und Niederlassungsleiter von ASC Berlin.

"Diese Engines sind über je 128 MADI Kanäle in das Nexus-Audioroutingsystem eingebunden und stehen sämtlichen Lautsprechern für die akustische Wiedergabe zur Verfügung.

Die Ansteuerung der Anlage erfolgt in 128 vertikalen Lautsprechergruppen über die sogenannten Surround-Kanäle. Auf diese Art und Weise kann der Tontechniker zusätzliche Soundeffekte interaktiv in jede Richtung im Opernbetrieb steuern, wie zum Beispiel einen Chor über die Tonanlage inszenieren und den Saal als dritte Dimension nutzen.

Das Ergebnis: Der Zuhörer wird akustisch in die Aufführung hineingezogen. Um ein allumfassendes Erlebnis zu generieren, können darüber hinaus Licht- als auch Videosysteme in die Anlage miteingebunden werden."

 

Für die Probebühnen in der Lindenoper hat ASC neun mobile Medienracks geliefert, die mit einer Audio-/Video-Kreuzschiene IN 1608 von Extron als AV-Signalumschalter für Blu-Ray, CD-Zuspieler, Drahtlos-Mikrofonie und Zuspiel-PC bestückt sind.

Werden die Racks an das IT-Hausnetz angeschlossen, besteht Zugriff auf selbst aufgezeichnete Mitschnitte im Haus. Hierfür verfügt die Staatsoper Berlin über drei Extron SMP 351 H.264 Streaming Media Prozessoren, welche für das Echtzeitstreaming der Kamerasignale sowie für Aufzeichnungen zur späteren Verwendung dienen.

In Sachen Mikrofonie hat man sich in der Staatsoper Berlin für ein digitales Drahtlossystem aus der neuen Axient Digital-Serie von SHURE mit 34 Kanälen zugunsten des klaren Klangs und einer stabilen Übertragung entschieden, welches kurzfristig noch ein Upgrade auf die fernsteuerbare ADX-Sendervariante erfährt.

Das Drahtlossystem wurde speziell wegen der Betriebssicherheit favorisiert, weil es aktiv innerhalb einer stark frequentierten HF-Umgebung für eine zuverlässige Signalqualität und über eine enorme Abdeckung verfügt.

 

Gesamtschau: Die Staatsoper in Berlin (Foto: Gordon Welters)

Höher und auch akustisch größer: Die "neue" Staatsoper in Berlin (Foto: Gordon Welters).


Übertragung per Glasfaser

 

"Die HF-Übertragungstechnik ist eine der besonderen Herausforderungen in diesem Projekt", erläutert Stefan Thomsen, ASC Senior Sales Manager Kommunikations- und Informationssysteme.

"Die verschiedenen Funksysteme Drahtlosmikrofonie, Wireless Intercom und In-Ear-Monitoring werden in verschiedenen, zum Teil weit voneinander entfernten Gebäudeteilen genutzt. Dabei muss eine lückenlose Funkabdeckung gewährleistet sein.

Das drahtlose Voll-Duplex Intercom System BTR-800 des Herstellers RTS erfordert dabei sogar eine bidirektionale Infrastruktur. Für die dafür notwendige, verlustfreie Übertragung sämtlicher HF-Signale in die verschiedenen Bereiche haben wir hier ein Glasfaser-basiertes HF-Distributionssystem von The Wireless Works integriert.

Neben der Bühne und dem Paulicksaal werden so auch das Foyer, der Apollosaal, eine Spielstätte innerhalb der Staatsoper für Lesungen und kleine Kammerkonzerte und die Mitarbeitergänge über eine Glasfaser-Infrastruktur-HF-technisch an die zwei Technikzentralen angebunden."

 

Das offene System ist ein wichtiges Element der ASC-Systemintegration und arbeitet über dezentral verteilte, sogenannte Remote Units, welche die HF-Signale bidirektional in die einzelnen Gebäudeteile abstrahlen oder empfangen.

 

Hier drin steckt unter anderem das glasfaserbasierte HF-Distributionssystem von The Wireless Works (Foto: ASC)

Hier drin steckt unter anderem das glasfaserbasierte HF-Distributionssystem von The Wireless Works (Foto: ASC).

 

 

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