High-Tech in Schwerin

ASC baut neue Inspizientenanlage ins Mecklenburgische Staatstheater Schwerin.
Am ersten November-Wochenende wurde das Große Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin mit einer Schauspielpremiere und einem festlichen Konzert wiedereröffnet. Damit waren die letzten Arbeiten nach einer sechsmonatigen Umbau- und Renovierungsphase beendet. Der Start der neuen Spielzeit ist gleichzeitig Bewährungsprobe für die ebenfalls neu eingebaute Inspizientenanlage. Planung, Bauausführung und Neuverkabelung wurden seitens des Hamburger Systemintegrators Amptown System Company realisiert.

Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin blickt mit einem Bau im Alten Garten, der 1836 feierlich eröffnet wurde, auf über 150 Jahre Theatergeschichte zurück. Nach einem Großbrand im Jahre 1882 konnte der Neubau im italienischen Renaissance-Stil am 3. Oktober 1886, mit fortschrittlichsten bühnen- und sicherheitstechnischen Standards ausgerüstet, wieder eröffnen und wurde sogar mit elektrischem Licht aus einem eigenen Elektrizitätswerk versorgt. Ab 1980 erfolgte eine umfassende Rekonstruktion des Hauses, später wurden relevante erforderliche Sanierungen ergänzt, die das Theater aktuell zu einer der wichtigsten und repräsentativsten Spielstätten in Deutschland machen. Aufführungen gibt es in fünf Sparten: Schauspiel, Musiktheater (Oper, Operette, Musical), Ballett, Niederdeutsches Theater und Puppentheater. Außerdem spielt die traditionsreiche Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin, eines der ältesten Orchester Deutschlands, ein umfangreiches Konzertrepertoire.
Im Mai 2009 wurde das Große Haus geschlossen, um mit der Erneuerung der Untermaschinerie zu beginnen. Vorbereitende Fundamentarbeiten wurden bereits in der Spielzeitpause 2008 ausgeführt, da das Theater auf Pfählen steht. Diese Pfählung musste erweitert und an die neuen Erfordernisse angepasst werden. Neue Hubpodien, eine Drehscheibe sowie entsprechendes Zubehör kommen nun zum Einsatz. Die erste Premiere war am 7.11.2009 mit Yasmina Rezas Stück „Der Gott des Gemetzels“ im Großen Haus, inszeniert von Schauspieldirektor Peter Dehler.

John Schröder, Leiter der Tonabteilung und Tonmeister, und Erhardt Petrich, der Betriebsingenieur, standen Amptown System Company vor Ort als Ansprechpartner zur Seite: „Die Historie des Theaters hat dazu geführt, dass sich die Inspizientenanlage im Lauf der Zeit zu einem sehr individuellen Selbstbauwerk entwickelt hat, was zudem komplett veraltet war. „Müde“ Stellen in der Mechanik führten zu ungewollten Verzögerungen, technischen Problemen oder sogar Ausfällen. Es gab eine komplexe Verdrahtung, um Tasten einzuschalten und Funktionen auszulösen. Die Anlage war jedoch weit von dem entfernt, was eine moderne Inspiziententechnik ausmacht", sagt Schröder und Petrich ergänzt: "Daher haben wir eine Anforderung ausgeschrieben, die auf die neue Untermaschinerie abgestimmt war und wesentlich flexibler und ausbaufähig sein sollte.
In der Untermaschinerie sind zum Beispiel Infrarot-Kameras eingebaut, die im Dunkeln wiedergeben, ob ein Hubpodium von einem Darsteller besetzt ist oder ob ein Podium mit einem Darsteller gesenkt werden kann. Insgesamt werden über die Inspiziententechnik die Bühne im Großen Haus und alle Räumlichkeiten, die zum Bühnenbetrieb gehören, bedient: Aufenthaltsräume, Garderobe, Kantine, Betriebsräume, Vorder- und Hinterbühne sowie der Hubbereich."
Ein großes Problem, nicht nur im täglichen Ablauf, sondern auch für das Briefing an den technischen Partner, war das Fehlen der Dokumentation des Kabelsystems. Diese ist über die Jahre verlorengegangen, was selbst alteingesessenen Tonkollegen „Kopfschmerzen“ bei der Erneuerung oder beim Zurückziehen der Kabel bereitete. Amptown System Company war uns als Spezialist für professionelle Beschallungs- und Lichttechnik in der Theaterwelt seit über 20 Jahren bestens bekannt. Dass sie auch maßgeschneiderte Lösungen für Inspiziententechnik im Portfolio haben, war für uns eine neue, interessante Erfahrung.
In der Ausschreibung hat ASC Peter Meißner, den Technischen Direktor des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin, durch sein flexibles, maßgeschneidertes und wirtschaftliches Konzept überzeugt. Ein Besuch im Deutschen Schauspielhaus Hamburg hat den Auftraggeber letztendlich in seiner Entscheidung bestätigt:

"Für diese Spielstätte hat ASC ein integriertes Konzept aus zwei mobilen hydraulischen Inspizientenpulten mit Touchscreens entwickelt, die ein komfortables Bedienen der verschiedenen Steuereinheiten ermöglichen. Ein ähnliches, auf unser Theater modifiziertes System wollten wir auch haben.“

Stefan Thomsen, Projektleiter ASC und verantwortlich für Entwicklung und Installation des Inspizientenpultes ergänzt: „Ein neues Inspizientensystem wird häufig in die bestehende Infrastruktur integriert, so dass Umbauten, Erweiterungen und eine Neuverkabelung zu den festen Komponenten bei der Planung gehören. Das neue Inspizientenpult ist die zentrale Bedieneinheit im Großen Haus. Die Steuergeräte befinden sich zentral in einem 19-Zoll-Schrank im Keller des Hauses. Im Theater haben wir verschiedene Intercom-Stationen verteilt, die mit dem System verbunden sind, so dass der Inspizient alle Funktions- und Arbeitsbereiche im Gebäude erreichen kann. Mit dem 100-Volt-Altsystem sind wir unbefangen umgegangen und haben aufgrund unserer Erfahrungen die Größenordnung der Neuverkabelung recht gut einschätzen können.
Die universellen Anforderungen des Theaterbetriebs in Schwerin erfüllt die neue Inspizientenanlage durch eine intelligente Vernetzung der RTS-Intercom-Technik, des alten 100-Volt-Rufsystems und der flexiblen Bedien- und Steuereinheiten der Crestron-Medienautomation. Die RTS-Intercom-Matrix bildet das zentrale Steuerelement für die Sprachkommunikation der Anlage. Sie regelt den Aufbau aller Kommandowege, die Steuerung der Rufanlage, die Aufschaltung von Mithörsignalen und die Aktivierung diverser Sonderfunktionen. Mithilfe der an der Matrix angebundenem Sprechstellen können sowohl Durchrufe über die im Theater vorhandene 100-Volt-Anlage gemacht werden, als auch die für den Spielbetrieb erforderlichen Kommunikationswege aufgebaut werden.

Über zwei Touchpanels haben wir jede Menge Tasten eingespart. Die Bedienung für Kamera- und Lichtzeichensteuerung sowie für die Kreuzschiene der Videoanlage wird auf diese Weise für den Inspizienten deutlich übersichtlicher und vereinfacht. Die beiden Touchpanels nebeneinander ermöglichen einen erweiterten Zugriff auf unterschiedliche Funktionen zur gleichen Zeit. Der Inspizient hat die Möglichkeit, Kameras auf den verschiedenen Bühnen-Ebenen anzuwählen und auf die verschiedenen Bühnenmonitore zu routen, Licht- und Klingelzeichen zu setzen, Presets für unterschiedliche Probensituationen aufrufen oder Pegeleinstellungen für die Bühnenbeschallung zu korrigieren.
Darüber hinaus bieten die Panels die Sicherheit, bei Ausfall eines Panels während des Spielablaufs auf dem zweiten Panel weiterarbeiten zu können. Über einen Video-Inserter sehen der Inspizient, aber auch die Mitarbeiter und Darsteller auf der Bühne die Szene im Monitor eingeblendet und können so entsprechend der Anforderungen im Szenenbuch agieren.
Die überwiegend aus Standard-Komponenten bestehende und insgesamt offene und modulare Systemstruktur der neuen Inspizientenanlage ermöglicht der Tonregie in Schwerin den einfachen Austausch im Havariefall, aber auch verschiedene Erweiterungen. So sind die Intercom-Matrix und die Standardkomponenten jederzeit ausbaubar, die Medienautomation wird dazu entsprechend angepasst. Die Software in den Touchpanels kann modifiziert werden, neue Funktionen sind programmier- und konfigurierbar. Das bietet den technischen Verantwortlichen in Schwerin größtmögliche Flexibilität.“
Eingesetztes Material (Auszug)
Intercom-Matrix:RTS Cronus 16 x 16
19-Zoll / 1HE-Sprechstellen: 1 x RTS KP-12PB + 2 x EKP-20LK, 2 x RTS KP-12LK
Tischsprechstellen: 1 x RTS DKP-8PB, 4 x RTS BKP-4
Steuerungssystem: 1 x Crestron CP2E
Touchpanel: 2 x Crestron TPS-6LB-T
Relais-Interfaces: 4 x DIN-8SW8
Video-Kreuzschiene: Extron MAV Plus 1616V
Pultbeleuchtung: Arnold RPL 526 LX LED

