pl+s Interview: Tobias Wüstner

Auf der prolight+sound: Tobias Wüstner von TWAudio über die rasante Entwicklung in seiner Firma und seine Fragen an den Zoologen.
DieReferenz: Herr Wüstner, wie war Ihr gestriger Abend?
Tobias Wüstner: Wir waren mit unserem Team im Hotel, haben noch gut gegessen, und dann war bald Schluss. Die Messe mit dem enormen Interesse an unseren Produkten ist ganz schön anstrengend.
DieReferenz: Was hat Sie bisher besonders geärgert, verblüfft oder gefreut?
Wüstner: Mich hat eben extrem geärgert, dass wir im Live-Sound-Forum draußen Reglementierungen bekommen haben, wohl aufgrund von Anwohnerbeschwerden. Eigentlich wollen wir ja dieses Forum als eine Gelegenheit nutzen, unsere Systeme zu präsentieren. Jetzt müssen wir die Lautstärke auf 95 dB herunterregeln. Da läuft das System mehr oder weniger mit Standgas in Pausenbeschallungslautstärke. Da ist es sehr fraglich, ob das noch Sinn macht.
Gefreut hat mich natürlich die positive Resonanz auf TWAUDiO. Wir werden extrem gut wahrgenommen. Neue Interessenten kommen, Kunden fühlen sich bestätigt, und wir haben sehr viel Nachfrage. Somit läuft für uns alles sehr gut.
DieReferenz: Was ist der wichtigste Unterschied zu Ihrem Messe-Auftritt letztes Jahr?
Wüstner: Vor einem Jahr hat man uns noch nicht so wahrgenommen, da waren wir noch Neuling. Dieses Jahr sind wir zum zweiten Mal alleine hier, treten etwas anders auf, und das kommt sehr gut an. Die Kunden kennen uns bereits, man spricht über uns. Wir werden schneller ein ernstzunehmender Hersteller für die Szene als wir dachten.
DieReferenz: Was ist Ihr wichtigstes Produkt?
Wüstner: Das ist nach wie vor eigentlich unser Komplettsystem PA-SYS-ONE. Zwei T24 Doppel-12-Zoll/1,4-Zoll-Horntopteile mit vier B30 Subwoofern inklusive unseres DSP-System-Amps und der Verkabelung. Das scheint doch nach wie vor in der Zeit der Line Arrays seine Berechtigung zu haben. Immer mehr Kunden erkennen die Vorteile dieser kompakten aber leistungsstarken Systemkombination.
DieReferenz: Wie ist Ihr persönlicher Messe-Eindruck?
Wüstner: Wir sind auf jedem Fall auf dem richtigen Weg. Unsere Arbeiten und Entwicklungen werden durch die enorm steigende Nachfrage bestätigt.
DieReferenz: Wie sehen Sie Ihre Position im Feld Ihrer Mitbewerber?
Wüstner: Dass wir stetig weiter aufrücken, von den hinteren Plätzen hervor kommen und uns langsam vorarbeiten. Wir sind da guter Dinge.
DieReferenz: Sie führen hier ja viele Kundengespräche. Was war das interessanteste?
Wüstner: Da kann ich gar keines herausgreifen, denn alle Gespräche mit Kunden sind für mich sehr interessant. Nur durch die Kommunikation schaffen wir es, Produkte zu entwickeln, die sich so nah wie möglich an den Bedürfnissen unserer Kunden orientieren.

DieReferenz: Welche Entwicklung in Ihrer Firma war vor einem halben Jahr noch überhaupt nicht absehbar und hat Sie daher am meisten überrascht?
Wüstner: Mehr durch Zufall haben wir zwei neue Mitarbeiter bekommen, dadurch ist es bei uns wirklich katapultmäßig vorwärts gegangen. Das freut mich natürlich sehr, denn es ist ein Karftakt, den Schritt von der One-Man-Show zu einer international tätigen Firma zu bewältigen.
DieReferenz: Wo erwarten Sie in diesem Jahr die höchsten Zuwachsraten?
Wüstner: Spanien scheint ein sehr interessanter, für uns neuer Markt zu sein, aber sicher müssen wir erst mal in Deutschland anpacken. Da ist noch viel zu tun und sicher noch sehr viel möglich.
DieReferenz: Boxenhersteller gibt es viele. Warum soll der Kunde nun gerade zu Ihrem Produkt greifen?
Wüstner: Der Hintergrund unserer Produkte ist, dass ich selbst als Tonmann und im Verleihgeschäft viele Jahre unterwegs war und mich in dieser Zeit sehr oft über Produkte geärgert habe. An grundsätzlichen Dingen ebenso wie an Kleinigkeiten. Das war die Intention zu sagen, ich baue jetzt selber Lautsprecher. Welche, die der Markt wirklich braucht und die Kompromisse an den richtigen Stellen eingehen. Das scheinen andere nicht so hinzubekommen. Das sagen auf jeden Fall unsere Kunden.
Wir haben angefangen mit einem kompakten, leichten System mit hohem Output und einer sehr guten Audioperformance. Das wurde am Markt sehr gut angenommen. Viele Leute wollen mit möglichst wenig Material, wenig Aufwand, überschaubaren Kosten ein ordentliches Ergebnis erzielen. Weniger Lagerhaltung, weniger Truckspace, weniger Personal. So stellt sich der Return of Invest einfach früher ein. Zusammen mit unserer System-Endstufe, die Hoellstern für uns fertigt, mit integriertem Lautsprecher-Management können wir also echte Komplettsysteme anbieten, die immer und überall gleich bleibende Qualität sichern. Egal ob in Deutschland oder international. Das heißt, der Kunde kauft eben nicht nur schwarze Kisten, wie es viele gibt, sondern ein echtes Komplettsystem im Paket.
DieReferenz: Stellen Sie sich vor, die Branche ist ein einziger großer Zoo. Welches Tier ist dann Ihre Firma?
Wüstner: Schwer zu sagen. Welches Tier ist ruhig und beobachtend, oftmals recht einfallsreich und bemüht, Dinge, die es schon lange gibt, neu zu überdenken und dann den aktuell bestmöglichen Kompromiss zu finden und dass dann zu bauen? Da müsste man wohl jetzt einen Zoologen fragen.

