Technik bei Apocalyptica

03.03.2011

Michi Bauer und Paavo Lötjönen von Apocalyptica
Tontechniker Michael Bauer
und Apocalyptica-Band-Mitglied Paavo Lötjönen über guten Sound.

Am 27. Februar 2011 spielte Apocalyptica in der Münchner Zenith-Halle. Ein Cello-Ensemble, elektrisch verstärkt, da braucht es ja technisch nicht viel, könnte man glauben. Doch hier wird richtig aufgedreht. Tonchef Michi Bauer sitzt an einer Profile-Konsole von Digidesign, als PA-System kommt L'Acoustics neuestes System KARA zum Einsatz. Und es wird richtig laut.

Michi Bauer und Paavo Lötjönen von Apocalyptica über guten Sound

Für den Heavy-Teil werden die Celli unter anderem von Schertler-Mikrofonen direkt abgenommen, dann laufen die Signale über verschiedene Effektgeräte in einen kleinen Mixer beim Musiker und von dort über ein Drahtlossystem in Bauers Mischpult. Für den leiseren Teil, eine Art "Unplugged"-Konzert im Konzert, werden die Instrumente mit Mikrofonen von DPA abgenommen, "sie geben das Cello wirklich mit seinem natürlichen Klang wieder", freut sich Paavo Lötjönen. Eigentlich kein Wunder, denn die DPA 4099C sind spezialisiert auf Cello-Klänge.

Nun ist die Münchner Zenith-Halle nicht gerade für ihre wunderbare Akustik berühmt, daher hat auch der Tontechniker einer hauptsächlich lauten Band hier letztlich alle Hände voll zu tun. Oder wie es Michael Bauer auf den Punkt brachte: "Die Zenith-Halle ist gut bekannt für den schlechtesten Sound in München." Und er fährt fort: "Natürlich ist es immer eine Herausforderung, aber für uns bin ich sicher, dass wir heute abend hier einen guten Sound haben werden."

Michi Bauer und Paavo Lötjönen von Apocalyptica in München 2011

Eine der Voraussetzungen dafür war natürlich auch die genaue Einmessung des Systems und die Erforschung von Resonanz-Frequenzen. Beim Apocalyptica-Konzert in der Zenith-Halle lage diese bei genau 47,53 Hz, wie uns Michael Bauer verriet.

Wichtig war es auch, die Bass-Systeme in Cardioid-Technik zu fahren, um nach hinten eine Auslöschung auf der Bühne zu erreichen, da gerade bei den mit Kontaktmikrofonen abgenommenen Celli wenig Bass auf der Bühne unbedingt wichtig ist, um Resonanzen zu vermeiden, wie Bauer erklärt.

Wir wollten von Michael Bauer und Paavo Lötjönen wissen, welcher Faktor die wichtigste Bedeutung für einen guten Sound hat und legten beiden eine Liste mit zehn Punkten vor. Hier ihre Einschätzung:

Der gute Sound wird bestimmt von:

1. Mischpult (mit großem Abstand das Wichtigste)
2. Mikrofone
3. PA-System
4. Endstufen
5. der Raum
6. Kabel
7. Equalizer
8. Kompressor
9. Limiter
10. Ohr des Zuhörers

Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Punkte 7 bis 10 schrieb Michael Bauer ohne lange Überlegung spontan aufs Blatt. Diese Faktoren spielen seiner Meinung nach keine wirklich wesentliche Rolle, Effektgeräte, die der Musiker selbst einsetzt, sind natürlich ein ganz anderes Thema.

www.apocalyptica.com/de