Der BDKV fordert das Bundesjustizministerium auf, die angekündigte Regulierung des Ticketzweitmarkts jetzt vorzulegen.
Aktuelle Fälle von Oasis bis RUDELSINGEN zeigen Preise bis zum 16-Fachen des regulären Ticketpreises. Und sie zeigen, dass der spekulative Ticketzweitmarkt längst vom Stadionkonzert bis in den Mittelbau und den Grassroots-Bereich der Live-Branche reicht.

Noch während des offiziellen Ticketverkaufs für die drei Oasis-Konzerte am 2., 3. und 6. Juli 2027 in München tauchten auf Viagogo Tickets für bis zu 1.832 Euro auf. Im offiziellen Verkauf kosteten Tickets je nach Kategorie zwischen 96,25 und 268,75 Euro. Selbst gegenüber dem teuersten regulären Ticket kostete das Viagogo-Angebot damit fast das Siebenfache.
Wie weit das Problem reicht, zeigt eine aktuelle Auswertung des Mitsing-Veranstalters RUDELSINGEN. Für einen Termin in Berlin wird ein Ticket auf Viagogo für bis zu 373 Euro statt regulär 23,10 Euro angeboten. Das entspricht gut dem 16-Fachen des regulären Preises und einem Aufschlag von rund 1.515 Prozent.
„Oasis und RUDELSINGEN könnten unterschiedlicher kaum sein, und doch sehen wir dasselbe Problem. Die aktuellen Fälle bestätigen ziemlich genau, wovor wir mit der europäischen Initiative FEAT Alliance seit vielen Jahren warnen.
Dazu gehören Aufschläge von 250 Prozent und mehr und in Extremfällen Preise bis zum 16-fachen. Neu ist, dass in dieser Legislatur endlich auch politische Bewegung in das Thema gekommen ist. Umso mehr stellt sich jetzt die Frage: Worauf warten wir noch?", sagt Johannes Everke, Geschäftsführer des BDKV.
Dass der professionelle Ticketzweitmarkt auch kleinere Veranstaltungen erfasst, zeigt sich nicht nur in Deutschland. Eine aktuelle Untersuchung der britischen FanFair Alliance zu fast 300 Veranstaltungen in 13 kleineren Venues im Großraum Manchester kommt zum Ergebnis, dass mehr als 75 Prozent der über 1.600 dort angebotenen Tickets auf nur drei gewerbliche Wiederverkäufer entfielen.
Die hohen Aufschläge sind dabei nur ein Teil des Problems. Professionelle Wiederverkäufer bieten große Ticketmengen an und Fans riskieren, gefälschte, ungültige oder mehrfach verkaufte Karten zu erwerben.
„Wir sehen immer wieder Fälle, in denen ein und dasselbe Ticket mehrfach verkauft wird. Besonders drastisch ist ein Beispiel, bei dem ein Ticket über Viagogo 150-mal verkauft wurde. Damit kam eine Person in die Veranstaltung, während 149 Fans draußen vor der Tür bleiben mussten. Regulierung heißt deshalb ganz konkreter Verbraucherschutz", sagt Everke.
Angekündigte Regulierung steht aus
Gemeinsam mit Partnern aus Kultur, Sport und Verbraucherschutz, darunter PRO MUSIK, DFB, DFL, DOSB und Verbraucherzentralen, hat der BDKV in diesem Jahr den politischen Druck für eine stärkere Regulierung erhöht. Konkrete Forderungen liegen damit auf dem Tisch, darunter mehr Transparenz über Verkäufer*innen und Originalpreise, wirksame Grenzen für Preisaufschläge, Regeln gegen Bots und Leerverkäufe sowie effektive Verfahren gegen rechtswidrige Angebote.
Auch die Bundesregierung hat Handlungsbedarf erkannt. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig kündigt bereits seit April in Medien und im Deutschen Bundestag an, noch „im Sommer" gegen die „Mondpreise auf dem Ticket-Zweitmarkt" vorzugehen und eine Preisobergrenze beim Weiterverkauf von Sport- und Konzerttickets einzuführen. Einen fairen Weiterverkauf für Fans wolle man gleichzeitig weiterhin ermöglichen. Ein entsprechender Gesetzentwurf liegt bislang jedoch nicht vor.
Rückendeckung kommt auch aus der CDU/CSU-Fraktion. Der Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke, Obmann der CDU/CSU im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz, verwies im Bundestag kürzlich auf die Vereinbarung im Koalitionsvertrag. Mit Blick auf die Umsetzung sagte er: „Hier freuen wir uns auf den entsprechenden Gesetzentwurf aus dem Ministerium, der ja wohl bald kommen wird."
„So komplex der Ticketzweitmarkt ist, so eindeutig und einmütig ist die Interessenlage.
Fans wollen sicher und zu fairen Bedingungen Tickets kaufen und weitergeben können. Künstler*innen und Veranstaltende aus Kultur und Sport wollen, dass ihre Tickets bei den Fans ankommen. Und auch die Politik hat sich nach vielen Jahren klar zu einer Regulierung bekannt. Auch wenn also alle der gleichen Meinung sind, ist noch nichts passiert.
Vom jetzigen Zustand profitieren dagegen weiterhin vor allem gewerbliche Wiederverkäufer und Plattformen, die mit massiven Aufschlägen Geld verdienen, das Vertrauen der Fans beschädigen und die Preisgestaltung von Künstler*innen und Veranstaltenden unterlaufen, ohne selbst zur Veranstaltung beizutragen. Gesetzgeber und Ministerium haben den Ball vor sich liegen, der Weg ist frei, jetzt muss der Gesetzentwurf kommen", fordert Everke.


